| Begibt sich der Reisende
entlang der B 95 in Richtung Chemnitz, so wird er bald nach dem
Ortsausgang Borna in der hügeligen Landschaft des Wyhratals
die Brikettfabrik von Neukirchen - die älteste der Region -
wahrnehmen. In der 1887 in Betrieb genommenen Firma ,,Kohlenwerke
und Brikettfabrik Neukirchen-Wyhra“ des Leipziger Besitzers
Adolf Bleichert ratterten fast vierundachtzig Jahre die Brikettpressen.
Nach dem Tod des Besitzers im August 1906 wurde das Unternehmen
in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, und die Produktionsanlagen
wurden bis 1911 modernisiert. Sechzig Jahre lang wurde die Rohbraunkohle,
anfangs mit einer 2,4 km langen Drahtseilbahn, später durch
Werksbahnen, aus dem Tagebau Neukirchen-Petergrube in die Fabrik
befördert, wo vier Tellertrockner und vier Brikettpressen ihren
Dienst taten.
Die tagelang brennende Asche wurde durch Ochsengespanne über
die Landstraße auf den gegenüberliegenden Ascheberg gekarrt,
bis 1937 eine Löschanlage mit Rohrleitung den Abtransport übernahmLängst
wächst Gras zwischen den Schwellen der Werksbahn, und kein
Schichtbus hält mehr vor der Fabrik.
Bis 1991 wurde in der Brikettfabrik zwanzig Jahre lang nur noch
Wärme für die Tagebauanlage Bockwitz erzeugt und eine
Töpferei des Braunkohlenkombinates Espenhain betrieben. Doch
die Stille trügt.
Mitarbeiter der Mitteldeutschen Braunkohlen Strukturfördergesellschaft
mbH entkernen im Auftrag der Mitteldeutschen Braunkohlen- verwaltungsgesellschaft
die Brikettfabrik, die zwischenzeitlich technisches Denkmal war,
um deren Abriss vorzubereiten.
Doch weit gefehlt...
Heute befindet sich in der ehemaligen Brikettfabrik eine Großraumdikothek
mit mehreren Dancefloors, die für jeden Musikgeschmack das
richtige zu bieten haben.
Auch in den Nachbar- und Versorgungsgebäuden hat sich einiges
getan. So wurde aus der ehemaligen Zeche ein Gasthaus der Besonderen
Art mit Küche aus aller Welt. Außerdem zogen ein Fitnessstudio,
ein Reitershop sowie diverse kleinere Firmen in die Nebengebäde
ein. |